Entwicklung eines konsentierten Kriterien-Sets zur Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten

Entwicklung eines konsentierten Kriterien-Sets zur Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten

Z. Evid. Fortbild. Qual. Gesundh. wesen (ZEFQ) (2015) 109, 578—584 Online verfügbar unter www.sciencedirect.com ScienceDirect journal homepage: http...

1MB Sizes 0 Downloads 62 Views

Z. Evid. Fortbild. Qual. Gesundh. wesen (ZEFQ) (2015) 109, 578—584

Online verfügbar unter www.sciencedirect.com

ScienceDirect journal homepage: http://www.elsevier.com/locate/zefq

SCHWERPUNKT

Entwicklung eines konsentierten Kriterien-Sets zur Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten Development of a consented set of criteria to evaluate post-rehabilitation support services Susanne Parzanka, Christian Himstedt, Ruth Deck ∗ Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität Lübeck, Deutschland Eingegangen/submitted 2. Dezember 2014; überarbeitet/revised 21. September 2015; akzeptiert/accepted 21. September 2015

SCHLÜSSELWÖRTER Rehabilitationsnachsorge; Qualität; vergleichende Bewertung von Nachsorgeangeboten



Zusammenfassung Ziel: Das Versorgungsangebot der Reha-Nachsorgemaßnahmen in Deutschland ist unübersichtlich; sowohl was die Indikationen und Inhalte als auch deren (bundesweite) Verfügbarkeit und Kostenregelung betrifft. Bislang fehlt eine systematische und transparente Synopse. Deshalb wurde auf Basis einer systematischen Übersicht eine webbasierte Datenbank zur Reha-Nachsorge (ReNa-Datenbank) aufgebaut. Um einen Vergleich der eingeschlossenen RehaNachsorgeangebote zu gewährleisten, wurde ein Set allgemeingültiger Beschreibungskriterien entwickelt, wissenschaftliche Konzeption und Umsetzung sind Inhalt dieses Beitrags. Methodik: Für den methodischen Ablauf wurde das RAND / UCLA-Verfahren — unter Einbezug der Projektbeiratsmitglieder — adaptiert: Zur Vorbereitung eines Ausgangssets von potentiell relevanten Qualitätskriterien wurden auf Basis systematischer Recherchen zunächst relevante Volltexte zur Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten aufgesucht. Die in ihnen benannten Qualitätskriterien wurden zunächst unselektiert extrahiert und in eine Datenbank überführt. Nach Aufbereitung des Datensatzes (Bereinigung um Dupletten und inhaltliche Redundanzen) bestand die Aufgabe eines jeden Beiratsmitglieds darin, jedes Item des erarbeiteten KriterienSets separat anhand einer Likertskala von 1-9 hinsichtlich der Bewertungskriterien ,,Relevanz‘‘, ,,Machbarkeit/ Praktikabilität‘‘ und ,,Eignung für die öffentliche Berichterstattung‘‘ zu bewerten. Zur interindividuellen Auswertung dienten der Median sowie die Kategorien Konsens bzw. Dissens. Alle Items, die nach Ablauf des Konsensprozesses als ,,relevant‘‘ und ,,machbar‘‘ galten sowie sich als für die öffentliche Berichterstattung ,,geeignet‘‘ erwiesen, sind Bestandteil des finalen Kriterien-Sets zur Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten (ReNa-Set).

Korrespondenzadresse: PD Dr. Ruth Deck, Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (ISE, Haus 50), Universität Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck, Deutschland. Tel.: +0451/ 500 58 47 E-Mail: [email protected] (R. Deck).

http://dx.doi.org/10.1016/j.zefq.2015.09.028 1865-9217/

Entwicklung eines konsentierten Kriterien-Sets zur Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten

579

Ergebnisse: Nach Selektion der insgesamt 656 erzielten Treffer verblieben 82 Volltexte, aus denen zunächst 3603 potentiell relevante Kriterien extrahiert wurden. Aufgrund redundanten Inhalts wurden 2598 Items von der weiteren Bearbeitung ausgeschlossen, so dass den Panelmitgliedern 1005 Kriterien zur Bewertung vorgelegt wurden. Schlussendlich besteht das Final-Set zur qualitativen Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten aus 35 beschreibenden Kriterien, die 8 inhaltlichen Clustern zuzuordnen sind. Schlussfolgerung: Mit 35 Items wurde ein erstes allgemeingültiges Set zur Beschreibung der Struktur-, Konzept- und Prozessqualität von Reha-Nachsorgeangeboten erarbeitet. Innerhalb des Projekts ist auf Basis der Kriterien für jedes inkludierte Reha-Nachsorgeangebot ein Beschreibungsprofil erstellt worden.

KEYWORDS Post-rehabilitation support; aftercare; quality; benchmark

Summary Objective: Existing rehabilitation aftercare offers in Germany are heterogeneous, and there is a lack of transparency in terms of indications and methods as well as of (nationwide) availability and financial coverage. Also, there is no systematic and transparent synopsis. To close this gap a systematic review was conducted and a web-based database created for post-rehabilitation support. To allow a consistent assessment of the included aftercare offers, a quality profile of universally valid criteria was developed. This paper aims to outline the scientific approach. Methodology: The procedure adapts the RAND/UCLA method, with the participation of the advisory board of the ReNa project. Preparations for the set included systematic searches in order to find possible criteria to assess the quality of aftercare offers. These criteria first were collected without any pre-selection involved. Every item of the adjusted collection was evaluated by every single member of the advisory board considering the topics ‘‘relevance’’, ‘‘feasibility’’ and ‘‘suitability for public coverage’’. Interpersonal analysis was conducted by relating the median and classification into consensus and dissent. All items that were considered to be ‘‘relevant’’ and ‘‘feasible’’ in the three stages of consensus building and deemed ‘‘suitable for public coverage’’ were transferred into the final set of criteria (ReNa set). Results: A total of 82 publications were selected out of the 656 findings taken into account, which delivered 3,603 criteria of possible initial relevance. After a further removal of 2,598 redundant criteria, the panel needed to assess a set of 1,005 items. Finally we performed a quality assessment of aftercare offers using a set of 35 descriptive criteria merged into 8 conceptual clusters. Conclusion: The consented ReNa set of 35 items delivers a first generally valid tool to describe quality of structures, standards and processes of aftercare offers. So finally, the project developed into a complete collection of profiles characterizing each post-rehabilitation support service included in the database.

Hintergrund Der Stellenwert von Reha-Nachsorge innerhalb des Rehabilitationsprozesses steht außer Frage [1]. Für eine Vielzahl von Indikationen liegen entsprechende Programme vor [2]; das Angebot ist immens, aber unübersichtlich und nur wenig transparent. Eine bundesweite Vernetzung der beteiligten Akteure wird durch die fehlende Systematik erschwert und individuelle Reha-Nachsorgepläne liegen selten vor [3,4]. Für die Umsetzung von Empowerment und Shared Decision Making [5,6] in der Praxis ist ein qualitativ hochwertiger überregionaler Informationsprozess von Nöten [7]. Eine systematische Übersicht über verfügbare Reha-Nachsorgeprogramme wäre in diesem Zusammenhang hilfreich. Vor diesem Hintergrund wurde am Institut für Sozialmedizin und Epidemiologie (ISE) der Universität zu Lübeck — innerhalb eines von der DRV Bund geförderten Projekts — der Aufbau eines webbasierten Portals zur Reha-Nachsorge realisiert. Um eine Bewertung der

eingeschlossenen Reha-Nachsorgeangebote in Hinblick auf deren Prozess- und Strukturqualität zu gewährleisten sowie einen Vergleich zwischen ihnen zu ermöglich, wurde ein Set relevanter indikationsübergreifender, allgemeingültiger Beschreibungskriterien entwickelt. Wissenschaftliche Konzeption und Umsetzung sind Inhalt dieses Beitrags.

Fragestellung / Ziel Fragestellung und Ziel stellten sich im Rahmen des benannten Forschungsprojekts [8]: Die Qualität eines Versorgungsangebots lässt sich nur dann objektiv bewerten, wenn eine allgemein akzeptierte Vorstellung von guter Qualität — möglichst in Form prüfbarer Kriterien (sog. Qualitätsindikatoren) — existiert [9]. In Ermangelung solcher Kriterien für den Bereich der Reha-Nachsorge, stellte sich konkret die Frage nach einem praktikablen Set indikationsübergreifender, allgemeingültiger Qualitätskriterien zur Erstellung von Beschreibungsprofilen.

580 Tabelle 1

S. Parzanka et al. Suchstrategie der MEDLINE-Recherche.

Tabelle 2

Bewertungsmodus Relevanz.

SÄULE 1: Aspekt ,,Qualität‘‘

SÄULE 2: Aspekt ,,Setting‘‘

Bewertung:

Voraussetzungen:

quality indicator* [tw] quality criter* [tw] quality measure* [tw] care standard* [tw] quality assessment [tw]

rehabilitation [tw] secondary prevention [tw] aftercare [tw] post rehabilitation [tw]

,,Relevantes Item‘‘ ,,Fragliches Item‘‘

Median beträgt 7-9, kein Dissens Median beträgt 4-6 oder Dissens (unabhängig vom Median) Median beträgt 1-3, kein Dissens

* Wildcard (sucht nach allen denkbaren Endungen) tw = Textwort Verbindung innerhalb der Säulen mit dem Boole’schen Operator ,,OR‘‘, Verknüpfung der Säulen mit ,,AND‘‘

Methodik

,,Irrelevantes Item‘‘

Tabelle 3

Bewertungsmodus Praktikabilität/ Machbarkeit.

Bewertung:

Voraussetzungen:

,,Praktikabel/ Machbar‘‘ ,,Fragliches Item‘‘

Median ≥ 4, Konsens Dissens (unabhängig vom Median) Median < 4, Konsens

,,Unpraktikabel/ Nicht machbar‘‘ Für die Umsetzung wurde die RAND/UCLA Appropriateness Methode (RAM) von Fitch et al. (2011) adaptiert [10]. Als Panelmitglieder (n = 10) wurde der interdisziplinäre Projektbeirat berufen, der sich aus Vertretern der Rentenversicherung (n = 3) und Kliniken (n = 3) sowie Wissenschaftlern (n = 4) zusammensetzte. Zunächst wurden auf Basis systematischer Recherchen (MEDLINE-Abfrage [am 08.02.2012 via PubMed; Suchstrategie siehe Tabelle 1], Handsuche, ZEFQ-Screening) potentiell relevante Qualitätskriterien (deutsch oder englisch) aufgesucht und in eine Datenbank (Ausgangspool) überführt. Nach Bereinigung des Datensatzes um inhaltliche Redundanzen wurden die verbleibenden Items (Ausgangsset = Delphi-Set) im strukturierten Konsensverfahren (1. schriftliche Runde, 2. institutsinterne Runde, 3. mündliches Konsenstreffen) bewertet und in Hinblick auf a) ihre Relevanz in Bezug auf den rehabilitativen Versorgungskontext — speziell der RehaNachsorge — sowie b) ihre Praktikabilität / Machbarkeit und c) ihre Eignung für die öffentliche Berichterstattung geprüft. Erste Konsensrunde: Nach elektronischer Übermittlung des Delphi-Sets bestand die Aufgabe der Panelmitglieder darin, jedes Item unabhängig auf einer Likertskala von 1-9 zu bewerten. Dabei erfolgte die Bewertung jeweils nach eigenem Sachstand und ohne Austausch der Beiratsmitglieder untereinander. Zunächst waren folgende Aspekte bei der Beurteilung der Relevanz (1 = überhaupt nicht relevant bis 9 = sehr relevant; Bewertungsklassen: Relevant, Unsicher sowie Irrelevant) heranzuziehen [11,12]: Bedeutung des Merkmals für das Versorgungssystem (Reha-Nachsorge), Belege durch Evidenz bzw. professionellen Konsens, Berücksichtigung potentieller Risiken / Nebenwirkungen, Beeinflussbarkeit sowie Differenzierungsgrad. Zur interindividuellen Auswertung wurden a) der Median als Lagemaß und b) die Kategorien Konsens bzw. Dissens (Streuungsmaß) herangezogen (Fiktives Bewertungsbeispiel siehe Abbildung 1). Dissens verwies auf heterogene Bewertungen und lag vor, wenn jeweils 30% der Bewertungen abweichend von der Kategorie des Medians in die gegenüberliegende Extremkategorie [1-3 bzw. 7-9] fielen. Zusammenfassend ergaben sich für das Kriterium Relevanz die in Tabelle 2 dargestellten Optionen für die Bewertung eines Items. Grundsätzlich blieben nur Items eingeschlossen, für die nach Abschluss der ersten Bewertungsrunde ein positiver

Konsens vorlag; irrelevante Merkmale wurden ausgeschlossen und die als unsicher geltenden Kriterien zur weiteren Diskussion (Konsensrunde 2) gestellt. In Anlehnung hieran wurde jedes Item darüber hinaus in Hinblick auf seine Machbarkeit und Praktikabilität geprüft: Unter Berücksichtigung der Aspekte Verständlichkeit, Interpretierbarkeit, Datenverfügbarkeit und Erhebungsaufwand ergab sich der in Tabelle 3 abgebildete Bewertungsmodus. Über die Kriterien des Original-Verfahrens von Fitch und Kollegen hinausgehend wurde das Kriterium Eignung für die öffentliche Berichterstattung [13] eingeführt: Unter Berücksichtigung der Aspekte Risiko für Fehlsteuerungen, Reproduzierbarkeit, überregionale Gültigkeit sowie Institutionsunabhängigkeit bei der Bewertung ergaben sich die in Tabelle 4 dargestellten Bewertungsoptionen. Zur Standardisierung des Bewertungsprocedere wurden personalisierte Bearbeitungstools (siehe Abbildung 2), eine Bewertungshilfe sowie eine Handanweisung zur Verfügung gestellt. Zweite Konsensrunde: In Anbetracht des Zeitaufwandes wurde — in Abweichung vom Originalverfahren — eine institutsinterne Konsensrunde (4 Beteiligte) durchgeführt; Durchführung und Ablauf folgten dem beschriebenen Procedere. Dritte Bewertungsrunde: Das abschließende Konsenstreffen fand am 24. September 2012 im ISE statt. Ziel des letzten Panelmeetings war es, die in Konsensrunde 1 positiv konsentierten Kriterien zu finalisieren (z.B. hinsichtlich einer einheitlichen Polung umzuformulieren) sowie für die ausstehenden (dissenten) Items aus Konsensrunde 2 abschließend ein Konsens zu finden.

Tabelle 4 Bewertungsmodus Eignung für die öffentliche Berichterstattung. Bewertung:

Voraussetzungen:

,,Geeignetes Item‘‘ ,,Fragliches Item‘‘

Median beträgt 7-9, kein Dissens Median beträgt 4-6 oder Dissens (unabhängig vom Median) Median beträgt 1-3, kein Dissens

,,Ungeeignetes Item‘‘

Entwicklung eines konsentierten Kriterien-Sets zur Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten

Abbildung 1

Fiktives Bewertungsbeispiel.

* Abbildung 2

Bewertungstool Konsensrunde 1.

581

582

S. Parzanka et al.

Abbildung 3

Ergebnisse des ReNa-Konsensverfahrens.

In Ergänzung zum durchgeführten Bewertungsprozess wurde abschließend durch Diskussion innerhalb des Projektbeirats geprüft, inwieweit die konsentierten Kriterien um etwaige fehlende Inhalte zu ergänzen sind. Nach Verabschiedung des Final-Sets (ReNa-Set) erfolgte die inhaltliche Gruppierung der Items. Anhand des konsentierten ReNaKriterien-Sets wurde im Rahmen des Projekts für jedes inkludierte Reha-Nachsorgeprogramm ein Beschreibungsprofil erstellt.

Ergebnisse Die Ergebnisse sind in Abbildung 3 zusammengefasst: Während die Abfrage der MEDLINE-Datenbank 449 Treffer ergab, wurden 207 (32%) potentiell relevante Referenzen durch die begleitende Handsuche aufgefunden. Bereits im Erstscreening wurden 62% der aufgefundenen Referenzen als irrelevant ausgeschlossen. Nach anschließender Sichtung der Volltexte (N = 249) blieben 82 eingeschlossen; diese bildeten die Grundlage für die Extraktion der Qualitätskriterien. Nach Aufbereitung des Datensatzes wurden 1005 Items (Delphi-Set) unter Einbezug von 9 interdisziplinären Experten im 3-stufigen Konsensverfahren bewertet. Nach der ersten Konsensrunde lag für 33 Merkmale ein eindeutig positiver Konsens vor; für den Großteil des Delphi-Sets (61%) bestand Dissens. Für 601 Kriterien konnte dieser in der zweiten Konsensrunde aufgehoben werden, 10 Items verblieben mit Diskussionsbedarf im Bearbeitungsset. Nach Ablauf der drei Bewertungsrunden verblieben 20 originale Items mit positivem Konsens. Merkmale, die zwei oder mehrere Sachverhalte beinhalteten, wurden in Folge inhaltlich zerlegt und das Set aufgrund inhaltlicher Erwägungen der Panelmitglieder marginal ergänzt.

Schlussendlich besteht das ReNa-Set zur qualitativen Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten aus 35 beschreibenden Kriterien, die 8 inhaltlichen Clustern ([Steckbrief], Rahmenbedingungen, Ausstattung, Information, Konzeptqualität, interne und externe Qualitätssicherung sowie Vernetzung/ Ressourcen) zugeordnet wurden (siehe Tabelle 5). Jeder Bearbeitungsschritt wurde in einer Datenbank (MS Access) dokumentiert und diese nach Abschluss des Konsensverfahrens transparent gestellt. Der Bezug zu den Einzelergebnissen der Panelmitglieder ist hierbei nicht möglich, die Bewertungen wurden nach Eingang im ISE jeweils anonymisiert.

Diskussion Aufgrund fehlender Qualitätskriterien für den Bereich der Reha-Nachsorge ist im beschriebenen Projekt auf Basis des RAM-Verfahrens ein indikationsübergreifendes Set von Beschreibungsmerkmalen konsentiert worden. Auf die angewandte Konsens-Methode beziehen sich zahlreiche Publikationen; sie hat sich als international anerkannte, valide Methode in diesem Kontext etabliert und die Reproduzierbarkeit der ermittelten Ergebnisse stimmt mit derjenigen diagnostischer Tests überein [13—15]. Da das Originalverfahren im vorliegenden Projekt lediglich adaptiert wurde, darf die methodische Güte allerdings nicht pauschal übertragen werden; der projektspezifische Kontext (z.B. Auswahl / Anzahl der Panelmitglieder, Anzahl der Kriterien) bedingt Verzerrungen, deren Ausmaß nur schwer einzuschätzen ist. In der Literatur wird beispielsweise die Durchführung eines Auftakttreffens mit den Panelmitgliedern angeraten [11], aufgrund der begrenzten Kapazitäten wurde

Entwicklung eines konsentierten Kriterien-Sets zur Bewertung von Reha-Nachsorgeangeboten Tabelle 5

583

ReNa-Final-Set.

Inhaltliche Ebene:

ReNa-Kriterium*:

Räumliche Ausstattung

Anzahl zur Verfügung stehender Räume Raum- bzw. Nutzungsart Raumgröße (entsprechend der Raumart) Was befindet sich in den Räumen? (Anhand der Ziele ausrichten, Untercluster nach Art des Raumes) Nutzen Sie eigene Räumlichkeiten oder kooperieren Sie mit anderen Einrichtungen (z.B. Reha-Kliniken)? Ist die Einrichtung barrierefrei (z.B. für Rollstuhlfahrer zugänglich)? Welche Berufsgruppen sind bei Ihnen vertreten? Wie werden Ihre Mitarbeiter in das Programm, die Methoden und Techniken etc. eingearbeitet/ eingewiesen? Gibt es schriftlich niedergelegte / manualisierte Einarbeitungschecklisten? Ist ein Verantwortlicher für die Einarbeitung neuer Mitarbeiter benannt? Definierte Zielgruppe Interventionsdosis (Stunden, Tage, Wochen) Gruppengröße im Schnitt / max. Teilnehmerzahl Seit wann bieten Sie das Programm an? . . . in welchen zeitlichen Abständen (Einordnung: monatlich, vierteljährlich, halbjährig, jährlich, fortlaufend, unregelmäßig) Wer ist der Anbieter? Wer ist der Kostenträger? Wie hoch sind die Kosten pro Teilnehmer? Wie hoch ist der zu leistende Eigenanteil? Zugangsmodalitäten Wartezeit (Zeit zwischen Reha-Ende und Beginn der Nachsorge-Maßnahme) Gibt es für dieses Reha-Nachsorgeangebot ein Manual? . . .falls ja; Beschreibung der Aspekte: a) Zielgruppe, b) Gruppengröße, c) Inhalte der Reha-Nachsorgeintervention, d) zeitlicher Rahmen, e) methodisches Vorgehen, f) Qualifikation/ Berufsgruppe der Behandler? Auf welchen Grundlagen (Evidenz, wissenschaftlichen Theorien) basiert das Behandlungskonzept? In welchen Fachgesellschaften sind Sie vertreten? Werden — sofern erforderlich und gewünscht — auch Angehörige (z.B. Eltern, Partner) in die Durchführung einbezogen? Wenn ja, in welchem Zusammenhang? Welche Empfehlungen geben Sie am Ende der Nachsorge zur Verstetigung der Effekte der Nachsorge? Wo kann man als Interessent Informationen über Ihr Programm finden? Haben Sie z.B. eine Webpage (Falls ja, mit Angabe)? Welche Maßnahmen gibt es zur Qualitätssicherung (intern [z.B. Qualitätszirkel] vs. extern)?

Personelle Ausstattung

Rahmenbedingungen

Konzeptqualität

Vernetzung/ Ressourcen

Informationen Qualitätssicherung (intern / extern)

Legende:

Ist Ihr Angebot zertifiziert? Wenn ja; von wem? Benannter Ansprechpartner (Aufnahme der Kontaktdaten) Liegt ein wissenschaftlicher Wirksamkeitsnachweis vor? Wo sind die Ergebnisse publiziert? Werden regelmäßig Befragungen zur Patientenzufriedenheit durchgeführt? Kritische und unerwünschte Ereignisse (z.B. Fehler, Probleme) werden systematisch erfasst und dokumentiert? *Deskriptive Sachaussagen, die für eine vergleichende Übersicht herangezogen werden.

hierauf verzichtet. Zur Standardisierung des Vorgehens wurden stattdessen eine Handanleitung, ein individualisiertes Bearbeitungstool sowie eine Bewertungshilfe entwickelt. Die ressourcenbedingte Abwandlung und Vereinfachung des Konsensprozesses (z.B. Beschränkung auf MEDLINE-Recherchen und systematisches ZEFQ-Screening, Einschleusen der institutsinternen Bewertungsrunde) stellt zusammenfassend eine deutliche Limitation dar. Kritisch zu hinterfragen sind weiterhin die fehlende Pilotierung des finalen Kriterien-Sets sowie die Tatsache, dass

keine Qualitätsindikatoren (charakterisiert durch Zähler und Nenner) aufgefunden wurden. Unberücksichtigt blieb darüber hinaus die Frage der Qualität aus Sicht der Rehabilitanden; am Konsensprozess nahm kein Betroffener teil. Trotz der beschriebenen Einschränkungen glauben wir, ein aussagekräftiges Starter-Set zur vergleichenden Bewertung der inkludierten Reha-Nachsorgeprogramme erstellt zu haben. Mit insgesamt 35 Items ist ein recht umfangreiches Set zur Beschreibung der Struktur-, Konzept- und Prozessqualität von Reha-Nachsorgeangeboten erarbeitet worden.

584 Auf Basis dieses Sets wurde für jedes in das Zentrum aufgenommene Reha-Nachsorgeprogramm ein strukturiertes Beschreibungsprofil erstellt. Diese sollen künftig Rehabilitanden, Ärzte, Reha-Träger sowie andere Nutzer auf einer Webpage über relevanten Struktur-, Leistungs- und Qualitätsmerkmale informieren. Den Zielen Optimierung des Informationsflusses sowie Transparenz scheint man ein Stück näher gekommen zu sein; inwieweit die Kriterien zur Optimierung der Versorgung beitragen können, bleibt hingegen abzuwarten.

Schlussfolgerungen Das ReNa-Final-Set zur vergleichenden Beschreibung von Reha-Nachsorgeangeboten besteht aus 35 Kriterien, die 8 inhaltlichen Clustern zuzuordnen sind. Wenngleich unter hohem Aufwand entwickelt, betrachten wir diese Kriterien zunächst als Starter-Set; seine Handhabbarkeit und Praktikabilität muss sich langfristig noch erweisen.

Interessenkonflikt Kein Interessenkonflikt.

Danksagung Unser Dank gilt den Mitgliedern des Projektbeirats, die als Panelmitglieder des Konsensprozesses fungierten: Frau Dr. S. Brüggemann, Frau Dr. I. Ehlebracht-König, Herr Professor H. Faller, Frau Dr. N. Glaser-Möller, Herr KH. Köpke, Herr PD G. Langs, Herr Professor T. Kohlmann sowie Frau E. Volke. Wir danken unseren hilfswissenschaftlichen Mitarbeiter(inne)n Frau Alexandra Staupendahl, Pauline Becker und Arne Mangold sowie der DRV Bund für die Förderung des Projekts.

Literatur [1] Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR) e.V. Gemeinsame Empfehlung zur Erkennung und Feststellung des Teilhabebedarfs, zur Teilhabeplanung und zu Anforderungen an die Durchführung von Leistungen zur Teilhabe. Frankfurt: BAR; 2014.

S. Parzanka et al. [2] Köpke KH. Aufwerten, ausbauen und systematisieren - Eine Analyse von Situation, Reformbedarf und innovativen Projekten zur Nachsorge in der Rehabilitation der Rentenversicherung. Rehabilitation 2005;44:344—52. [3] Gerdes N, Bührlen B, Lichtenberg S, et al. Rehabilitationsnachsorge: Analyse der Nachsorgeempfehlungen und ihrer Umsetzungen. Rehabilitationswissenschaften, Rehabilitationspsychologie, Rehabilitationsmedizin (Band 10). Regensburg: Roderer; 2005. [4] Reuther P, Boerkel B, Vespo E, et al. Chronische neurologische Erkrankungen. Neuro-Rehabilitation stationär — und dann. . .? Neurotransmitter (Sonderheft 1) 2010:25—31. [5] Faller H. Shared Decision Making: Ein Ansatz zur Stärkung der Partizipation des Patienten in der Rehabilitation. Die Rehabilitation 2003;42(3):129—35. [6] Faller H. Empowerment. In: Deck R, Glaser-Möller N, Remé T, editors. Rehabilitation und Wiedereingliederung — Der Rehabilitand im Mittelpunkt. Lage: Jacobs; 2008. p. 69—80. [7] Steckelberg A, Berger B, Köpke S, et al. Kriterien für Evidenz-basierte Patienteninformationen. Z Ärztl Fortbildung Qualitätssich 2005;99:343—51. [8] Schramm S, Hüppe A, Deck R. Aufbau eines bundesweiten webbasierten Zentrums ,,Reha-Nachsorge‘‘: www.nachderReha.de. DRV-Schriften (Band 93) 2011:43—6. [9] Geraedts M, Selbmann H-K, Ollenschlager G. Beurteilung der methodischen Qualität klinischer Messgrößen. Z Ärztl Fortbild Qualitatssich 2002;96:91—6. [10] Fitch K, Bernstein SJ, Aguilar MDeal. The RAND/UCLA Appropriateness Method - User’s Manual. RAND 2001:1—109. [11] AQUIK Methodenpapier. Modifizierte RAND/UCLA-Methode: Anwendung im KBV-Projekt AQUIK-Ambulante Qualitätsindikatoren und Kennzahlen. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV); 2011. p. 1—7. [12] Kleudgen S, Diel F, Burgdorf F, et al. KBV entwickelt Starter-Set ambulanter Qualitätsindikatoren - AQUIK-Set. Z Evid Fortbild Qual Gesundhwes 2011;105:54—63. [13] AQUA - Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen GmbH. Allgemeine Methoden im Rahmen der sektorenübergreifenden Qualitätssicherung im Gesundheitswesen. Version 2.0. Göttingen: AQUA-Institut; 2010. [14] Campbell SM, Braspenning J, Hutchinson A, et al. Research methods used in developing and applying quality indicators in primary care. BMJ 2003;326(7393):816—9. [15] Shekelle PG, Park RE, Kahan JP, et al. Sensitivity and specifity of the RAND/UCLA Appropriateness Method to identify the overuse and underuse of coronary revascularization and hysterectomy. J Clin Epidemiol 2001;54(10):1004—10.